Ein Tag in Frankfurt (Teil 1)
Während ich diese Zeilen tippe, liegt vor mir der Grüneburgpark in all seiner Pracht, hinter mir eine Kindertagesstätte mit all ihrer Akustik und links gegenüber ein Verkehrsübungsplatz mit jungen Straszenverkehrsteilnehmern in neongelben Westen und verschiedenfarbigen Kopfbedeckungen – eine männnliche Stimme gibt motivierende Anweisungen über ein Lautsprechersystem und redet den Schützlingen ins straszenverkehrsordentliche Gewissen: „Ja, das war sehr schön. Vor dem Abbiegen noch mal nach hinten schauen…“
Ich habe gestern meinen Bruder mit nach Frankfurt am Main begleitet und habe nun die Möglichkeit schlechthin das Finanzzentrum Deutschlands kennenzulernen. Ich kenne es ja nur als Nachrichtenkulisse, wenn wieder mal über Ackermann & Co. rumgelästert wird. Nun denn: Die Fahrt nach Frankfurt erwies sich als äuszerst entspannt. Die Hinweise der Wagenhalterin (lies: Mutti) konnten prägnanter nicht sein, so dass wir keine Orientierungsprobleme hatten. Auch bin ich der Anweisung gefolgt immer so um 130-140 km/h zu fahren, weil dann der Skoda am ökologischsten (lies: ökonomischsten) fährt. Einen kleinen Stau noch dazu addiert machte aus der prognostizierten Fahrtzeit von guten vier Stunden gute fünf.
Der Lautsprecher verkündet nun auch mahnende Worte: „Rechts vor Links gilt auch für Fahrradfahrer, Lara! … Der Kreisverkehr hat Vorfahrt. Im Kreis wird auch kein Karussel gefahren, Sarah! … Ja, Clara. Fahr nicht so schnell.“ Es scheint so, als ob es in dieser Alterskohorte en vogue war Namen für Mädchen auf *ra enden zu lassen.
Die Wohnung meines Bruders haben wir schnell gefunden. Die französische Mitbewohnerin und WG-Mutti begrüszt uns und ich freu mich, dass mein Bruder eine so nette Bleibe gefunden hat. Wir sind gestern Abend dann noch ein wenig in der Stadt rumgeschlendert und haben über Frankfurt, Städte an sich und unsere Eltern philosophiert. Mir fallen an jeder Straszenkreuzung so Zweiräder auf, an deren Hinterrad eine grüne Diode blinkt. Die Gestaltung der Räder deutet daraufhin, dass sie Leihräder der Deutschen Bahn sind und neben Berlin, München und Köln auch in Frankfurt verfügbar sind. Ich sehe sie hier an jeder Ecke. Das Angebot scheint mir doch sehr attraktiv. Ich werde mich nochmal näher damit auseinandersetzen müssen. Übrigens hört diese Dienstleistung auf den schönen Namen call-a-bike – nicht zu verwechseln mit hack-a-bike, das ist ein anderes Angebot.
Als wir dann später wieder nach Hause waren, war auch die spanische Mitbewohnerin da, so dass auf dem Flur kurz vor Mitternacht ein informelles WG-Gespräch über Gehälter, Jobs und die Generation Praktikum abgehalten wurde. Anschlieszend wollte ich noch ein wenig mit dem Schleppi surfen, allerdings unterstützt meine Airport-Karte noch kein WPA via AES-Verschlüsselung, so dass wir nach ein wenig Rumbasteln zwar Internet für mich verfügbar machen konnten aber nach weiterer Optimierung die Einstellungen ganz verkorkst haben und Internet für keinen mehr da war. Das war dann vielleicht auch gut so, weil sonst wären wir (oder zumindest ich) womöglich gar nicht so früh aufgestanden: nämlich halb Acht!
Mein Bruder ist nach einem kurzem, gemeinsamen Frühstück ins Büro und ich habe mir im Stadtplan (der mit den „Insider Tipps“) ein wenig angeschaut, was ich mir so angucken mag. Kamera und Regenschirm in den Rucksack und erstmal zum Main hinunter und nochmal das anschauen, was wir am Abend zuvor im Dunkeln abgelaufen sind. Was mir heute morgen auffällt, als ich jenseits des Mains ein wenig rumbummele: Frankfurt hat zwar diese dicken Wolkenkratzer am Himmel, aber unten ist’s zuweilen auch gern mal provinziell oder kleinstädtisch. So befindet sich zum Beispiel hinter den beiden Deutsche Bank-Pfeilern, ein kleiner Kindergarten in einer grünen Oase mit Spielgeräten aus Holz und Seil. Das sind dann wohl die Kinder derjenigen, die nebenan für die kühlen Kalkulationen schwitzen müssen. Oder so. Bevor ich zum Banken- und Hochhausviertel kam, musste ich noch den Main mittels einer Fußgänger- und Radfahrer-Brücke überqueren, auf der ich von einer Frankfurter Studentin über Frankfurts Multikulturalität und Internationalität befragt wurde. Aus den Fragen geht hervor, dass es jüngst eine Aktion „Sauberes Frankfurt“ (und sogar einen Club) geben muss, die womöglich (wenn mensch denn der Meinung ist) über die wahren Konflikte in F. henwegtäuschen will. Nun ich beantworte bereitwillig die Fragen und leiste meinen Beitrag zur Sozialwissenschaft.
Jetzt haben die jungen Leute auf den Zweirädern nebenan die Klingeln entdeckt. Ich höre eine Klingelkakophonie, wie man sie wahrscheinlich nur zum Herrentag im Osten erleben kann. Oder irgendwann vielleicht einmal, wenn wir eine Critical Mass Zusammenkunft haben werden…
Nachdem ich auf dem Main-Tower das Ganze mal von oben betrachtet habe, bin ich in Richtung Uni-Campus gelaufen, in der Hoffnung ein paar Schablonen-Graffitis (lies: Stencils) zu finden. Aber: Pustekuchen. Okay, es gibt viele Tags und so Schmierereien (in meinen Augen). Aber ich frage mich, warum in einer Stadt wie F. kaum zeitgenössische Street Art zu sehen ist. Aber vielleicht sehe ich ja noch was…
Hinter mir und neben mir ist Ruhe eingekehrt. Es ist halb eins und die jungen Leute, müssen wohl einen Mittagschlaf ableisten, damit es nachher wieder weitergehen kann. Auch wird es gerade sehr windig. Ich begebe mich nun in Richtung Römerstadt, wo es interessante Architektur aus den 20ern geben soll…
…auf dem Weg bin ich einem Internetcafe begegnet.
Fotos folgen später, wenn ich diese dann ein wenig sortiert habe in Street Art und Sehenswürdigkeiten – oder so ähnlich. Qualitätskontrolle muss schon sein.
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