„Morgens online, mittags offline und abends im Buch.“
Im Deutschlandradio Kultur gab es heute zwei Beiträge zur Wikipedia: einmal eine kleine Einführung in die Wikipedia und ein Interview mit Klaus Holoch. Letzterer ist der Pressesprecher des Bibliographischen Instituts / Brockhaus und vertritt somit hauptsächlich die Brockhaus Enzyklopädie. Es ist offensichtlich, dass er es in diesen Tagen, wahrlich schwer haben müsste. Der Erfolg von Wikipedia bedarf hier keine weitere Erläuterung. Die Implikationen für Brockhaus liegen klar auf der Hand. Klaus Holoch hat aber seinen Job zu erfüllen, wenn er über das System und die Wahrheit spricht:
Mit ihm hat Brockhaus sich wirklich einen Profisprecher eingebrockt: hört mensch ihm beim Reden zu, könnte mensch sogar glauben, dass Brockhaus an vorderster Front des Ubiquitous Computing für die Gemütlichkeit kämpft:Wir haben ein System, was diese Qualität und diese Verlässiglichkeit absolut absichert, und dass jeder der aus dem Brockhaus zitiert, auch wirklich sicher sein kann, dass das was er da zitiert stimmt.
Und nicht nur das. Eigentlich war es doch der Brockhaus, indem Hypertext seit eh und je praktiziert wurde:Die Menschen bewegen sich auf allen Plattformen: morgens im Büro, da ist Online ganz wichtig und gucken was bei Google usw los ist und abends auf der Couch, da geht man doch gerne wieder ans Regal, holt sich das Buch raus und kuschelt sich da schön hin. Also der Mensch ist unterschiedlich: morgens online, mittags offline und abends im Buch.
Für Klaus Holoch und somit der Brockhaus Enzyklopädie ist Wikipedia absolut interessant, aber absolut keine Konkurrenz. Hmm, okaaay.Gehen sie mal in ein Lexikon rein, sie finden Einträge und von dem Eintrag kommen sie zum nächsten und irgendwann merken sie, dass sie eigentlich schon ne Stunde im Bett sein sollten.
Das Interview hält noch weitere absolut interessante Abgrenzungen z.B. zwischen hintergründige Aktualität und profanes Tagesgeschäft. Sehr hörenswert.
Wer mehr über diese sachlichen Spannungen zwischen Brockhaus und Wikipedia lesen mag, möge sich folgende Blogs zu Gemüte führen:
- Work in Progress: Abgesehn davon, dass das Layout bei Mathias Schindler grad ein wenig verquer daher kommt, betreibt er auf seinem Blog auch ein wenig Abgrenzung.
- RecentChanges: Eine Gruppenblog von deutschen Wikipedianeren, auf dem ersterer auch mit schreibt.



August 15th, 2005 at 4:47 pm
“Auf beiden Blogs scheint Herr Holoch kein unbeschriebenes Blatt mehr zu sein.”
Den letzten Satz kann ich so unterschreiben.
Abgesehen davon ist das Layout nun gefixt. Ich hatte irgendwo eine ganze Reihe a-tags nicht geschlossen, sowas rächt sich dann doch.