Die Bundeswehr umwirbt die Magdeburger Jugend
Als ich für zehn Monate in einer kleinen Stadt und einer noch kleineren Stadt im mittleren Westen der USA ein Austauschjahr verbrachte, fand ich es traurig und befremdlich, dass für einige meiner Klassenkameraden das Militär die Chance war, aus dem Ort herauszukommen, um ‘was aus sich zu machen.’ Die Rekrutierer sind in die Sozialkundestunde (Government class) gekommen, und haben über die Möglichkeiten Karriere bei der Armee zu machen berichtet. Darüber hinaus gab es regelmäszig vor Unterichtsbeginn über Channel One, Werbung für die Army und die Marines zu sehen. Aber auch Werbeplakate mit Slogans wie „Be all you can be!“ oder „The Few, the Proud“ hingen im Schulgebäude.
Dass die Rekrutierungsmaschinerie an US-amerikanischen Schulen in den letzten Jahren noch viel aggressiver wurde, liegt auch daran, dass die US-Armee nicht mehr so populär ist. Sie ist in Kriegen verwickelt, in denen der Friedenscharakter und der humanitäre Anspruch den geostrategischen und wirtschaftlichen Machtinteressen stark unterliegt. So hat Washington viel Geld für Schulen, die zumeist darauf angewiesen sind, locker gemacht, mit der Bedingung, Rekrutierung zu vereinfachen. Der No Child Left Behind Act sieht in einer kleinen Klausel vor, dass Rekrutierer freien Zugang zu Schulen haben sollen und die persönlichen Daten der Schüler bekommen dürfen. Kooperieren die Schulen nicht, wird ihnen die Unterstützung gestrichen. Dies trifft besonders die Schulen in sozial schwächeren Gegenden, was auch die Tatsache begünstigt, dass vorwiegend Jugendliche aus den ‘unteren’ Schichten, der Armee beitreten.
Gut, das sind die USA. Dort sind die Verhältnisse immer noch ein wenig anders. Hier in Deutschland geht mensch mit Militär viel sensibler um, schon wegen der deutschen Geschichte. So ist Unsere Bundeswehr wirklich dem Frieden verpflichtet. Unternimmt mensch ein wenig Nachforschungen, z.B. bezüglich der Teilnahme am Kosovo-Krieg, wird schnell klar, dass die Bundeswehr längst zur Angriffsarmee mutiert ist. Dass die hiesige Armee aber auch gezielt Jugendliche im Visier hat, ist offensichtlich. Die Jugend stellt den Nachschub dar, und der muss ja gewährleistet sein. Auch geht es bei Werbeveranstaltungen hierzulande natürlich nicht um eine objektive Behandlung der Thematik Krieg und die Rolle der Armee, sondern darum, dass junge Leute sich für eine spannende Lebenslaufbahn entscheiden. Übrigens ein spannendes Unterfangen für die ganze Familie: die Eltern und Geschwister dürfen bei Auslandseinsätzen mitfiebern. In diesen Tagen, 15.-18. September, macht die Jubiläumsausstellung Unsere Bundeswehr in Magdeburg halt. „Lebensnah und informativ“ werden „interaktive Erlebniswelten“ konstruiert. Heute ist da „Jugendtag“ (siehe Poster). Ich empfinde es als sehr fragwürdig, dass Jugendlichen mithilfe von Marketing (lies: Propaganda) das Militär schmackhaft gemacht wird.


September 20th, 2005 at 1:30 am
[…] n Magdeburg as they were having an exhibition of war equipment and an infotainment program tailored for young people. Rough overview of topics of […]