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Die libertäre Revolution der spanischen Anarchisten

Als Nachschlag zum letzten Buch über die anarchistischen Kollektive des Spaniens von 1936-39, das ich gelesen habe, hat mir das deutschsprachige Werk von Heleno Saña einen kritischeren, umfangreicheren und genaueren Ein- und Überblick in diese kurze Ära libertärer Praxis gegeben. Die libertäre Revolution - Die Anarchisten im spanischen Bürgerkrieg erklärt nicht nur wie die Arbeiter und Bauern ihre Revolution organisiert haben, sondern auch in welchem Kontext, nämlich während des spanischen Bürgerkriegs, dies geschah und mit welchen Problemen die Anarchisten zu kämpfen hatten. Saña macht in seinem Buch klar, dass die soziale Revolution der mutigen Anarchisten Spaniens zwar nie vollendet, aber auch nicht an sich gescheitert ist.

Für die Niederlage der jungen Republik werden mehrere Gründe angeführt. Einerseits erhielt die spanische Republik kaum internationale Unterstützung von den westlichen Demokratien wie Frankreich, England oder den USA, um den antifaschistischen Kampf gegen Franco auf lange Sicht zu gewinnen, der nämlich von Italien und Deutschland erhebliche Förderung erhielt. Die wenigen Waffen, die Stalin zu Verfügung stellte, wurden mit einer schleichenden kommunistisch-stalinistischen Infiltration von Regierung, Armee und Polizei bezahlt, die letzendlich den revolutionären Widerstandsgeist der Spanier lähmte, der bei der Niederschlagung des Putsches 1936 so kräftig war. Saña beschreibt, wie die Bürger Barcelonas das Eintreffen der Faschisten im April 1939 mit kaum Gegenwehr über sich ergehen lassen, fühlten sie sich doch bereits von den stalinistischen Kräften besetzt. Desweiteren wird erklärt, dass die Anarchisten, die am Anfang des Bürgerkrieges so hohes Ansehen aufgrund ihres mutigen Widerstands in Katalonien und anderswo genossen, ihre gesellschaftliche Bedeutung zunehmend verstreichen ließen. Die Kooperation der Anarchisten mit der republikanischen Regierung führte zu einer fortschreitenden Aufgabe der Ideale der führenden Persönlichkeiten von CNT/FAI und letzendlich zur tragischen Unterbewertung der stalinistischen Infiltration.

Diese Überlegungen lassen sich natürlich historisch einfacher und angenehmer anstellen als vielleicht vor 65 Jahren. Dieses Buch von Heleno Saña ist sehr zu empfehlen, gerade weil es keine einfachen Antworten auf Frage, warum das republikanische Spanien gescheitert ist, gibt. Vielmehr gibt es einen Einblick in ein fast drei Jahre dauerndes Kapitel Spaniens, das letzlich durch die klassischen Grabenkämpfe zwischen kommunistischen, parlamentarischen und anarchistischen Kräften bestimmt war, die sich vielleicht nirgendwo so offensichtlich gegenüberstanden — und aber auch miteinander an der Front gegen die Faschisten kämpften. Dieses Buch erklärt nicht nur wie die Kämpfe abliefen, sondern auch wie gesellschaftlichen Praktiken unter diesen verschiedenen Vorzeichen aussahen. Mit dem Fokus auf die Anarchisten und ihre Revolution zeigt Saña, dass das libertäre Buch noch lange nicht zu Ende geschrieben ist. Am Ende des Buches setzt er den spanischen Anarchismus von damals mit der heutigen globalisierungskritischen Bewegung in Beziehung:

Die Welt hat sich in den letzten sechzig Jahren grundlegend verändert. Dennoch bleiben die Grundwerte, die die spanischen Arbeiter und Bauern verwirklichen wollten, auch für ein zukünftiges Befreiungsmodell, das diesen Namen verdient, weiterhin unverzichtbar: Basisdemokratie, Arbeiterselbstverwaltung, Föderalismus, soziale Gleichheit, Vergesellschaftung der Ökonomie und Abschaffung jeglicher Form von Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. […] Der immer stärker werdende Ruf der neuen Opposition nach direkter Demokratie und Selbststeuerung der Individuen und sozialen Akteure entspricht genau der Theorie und der Praxis der direkten Aktion, die der libertäre Syndikalismus von Anfang an als das geeignetste Befreiungsmodell bejahte.

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