Log 


Aktionstag gegen den Tod an der Grenze



Das Grenzregime Europas agiert schon lange nicht mehr nur an der politischen Grenze der EU, stattdessen erstreckt es sich über das europäische Hinterland bis auf angrenzende Kontinente. In Abschiebeknästen werden Migranten ihrer Menschenrechte beraubt und müssen wie Schwerverbrecher auf ihre Zwangsabschiebung warten. Das Feuer in einem Amsterdamer Flughafengefängnis, welches elf Abschiebehäftlinge das Leben kostete, zeigt auf tragischerweise, wie unmoralisch europäische Immigrationspolitik aussieht (taz: Tod im Abschiebeknast, 28.10.05). Aber auch über die Grenzen des offiziellen Machtbereichs reicht die blutige Hand eines Europas, das Migranten in der afrikanischen Wüste dem Verhungern und Verdursten aussetzt, weil sie sich im reichen Norden ein besseres Leben erhoffen. Heute findet ein internationaler Aktionstag gegen den Tod an der Grenze statt. Dies ist der Aufruf:

Der gemeinsame Versuch von mehr als 4000 MigrantInnen, die Grenze zwischen Afrika und Europa zu überqueren, hat die Brutalität des Europäischen Grenzregimes stärker in die Öffentlichkeit gerückt. In den letzten zwei Wochen wurden zehn Menschen von der Grenzpolizei erschossen. Seither sind mehr als 2500 Menschen von den marokkanischen Behörden zusammengetrieben und “deportiert” worden. Sie wurden ohne Wasser und Nahrungsmittel in der Sahara-Wüste zurückgelassen, wo bisher mindestens 36 Menschen starben. Die Nachrichten der letzten zwei Wochen beleuchten nur einen kleinen Teil der Brutalität an den Grenzen Europas, wo hunderte von MigrantInnen jedes Jahr beim überqueren der Strasse von Gibraltar ertrinken, in LKWs ersticken oder von den Landminen in den Feldern zwischen Griechenland und der Türkei zerrissen werden.

Die Reaktion der Spanischen Regierung und der Europäischen Kommission ist die militärische Verstärkung der Grenzen. Europäischer Kolonialismus und Wirtschaftspolitik haben die Situation geschaffen, welche die Menschen zur Flucht zwingt. Durch den Druck der deutschen und anderen europäischen Regierungen werden die Flüchtlinge für Europa unsichtbar gemacht; gefangengenommen bereits weit vor den Grenzen und in “Transit”-Lagern festgehalten. Die Lösung der Situation wird dritten Staaten überlassen wie Marokko in diesem Fall. Das Land erhielt 40 Millionen Euro von der EU, womit es seinen Grenzschutz verstärkte. Durch diese Geschäfte werden gezielt Menschenrechte verletzt und MigrantInnen gefoltert, deportiert und getötet.

In ganz Europa organisieren Gruppen den Widerstand gegen diese Gewalt an den Grenzen und rufen zu einem europaweiten Aktionstag am 29. Oktober 2005 auf.

Auf der deutschsprachigen Indymedia gibt es eine Auflistung vieler Aktionen, die bereits stattgefunden haben und noch geplant sind.

Bild von indymedia.

Leave a Reply