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Archive for October, 2005

Vereinnahmung der Kriminalisierten

Während die Silhouettenoptik der bisherigen iPod-Werbung in vielen Kreisen Nachahmung fand — selbst die äuszerst kritischen Hacker des CCC verwendeten es als Design des letzten Chaos Communication Congress — scheint Apple nun bei denen abzukupfern, die sich an der kriminalisierten Subkultur bereits bedient haben. Das aktuelle Werbevideo von Apple in Kollaboration mit Eminem ähnelt nämlich stark dem einer Schuhfirma, welches 2002 veröffentlicht wurde. Links das ‘Original’ der Firma Lugz, lugz-arrow.mov (1,5 MB) und rechts das ‘Plagiat’ der Firma Apple: apple_ipoditunes… .mov (8,7 MB):

Lugz Apple

Beide Clips verwenden animierte Tags: bei Apple sind sie gelb, bei Lugz schwarz. Beide spielen im urbanen Raum: bei Apple wird der iPod eingeblendet, bei Lugz der Schuh.

Diese Werbevideos stellen nur wenige Beispiele dar, wie die Graffiti-Ästhetik kommerzialisiert wird, während die eigentlichen Künstler fortwährend kriminalisiert werden. Die Revolution wird niedergeschlage, ihr Chic wird verkauft. Dies scheint der Gang der Dinge zu sein. The Clash meinten einst dazu: Ha! You think it’s funny? Turning rebellion into money? Die Situationisten verstehen es als Rekuperation: der Prozess, in dem das Spektakel sich eine revolutionäre oder radikale Idee vornimmt und als verkäufliche Ware neu verpackt (Recuperation in der engl. Wikipedia).

via fscklog: Neuer Eminem iPod+iTunes-Spot sorgt für Unmut

Published on October 17th, 2005 at 22:37.
Filed under deutsch, streetart, urbanlife

Lebensmittelkooperative in Magdeburg

 ~Grote Logoc Nach längerer Zeit bin ich heute endlich wieder bei der Food Coop Magdeburg gewesen, einer Lebensmittelkooperative in Magdeburg, über die mensch ökologische Lebensmittel von regionalen Produzenten bekommen kann. Die Idee ist, dass Konsumenten die Beschaffung ihrer Lebensmittel selbst in die Hand nehmen, indem sie sich direkt in Form eines solchen Vereins/einer solchen Kooperative an die lokalen Erzeugern wenden, ohne dass ein Zwischenhändler Profite macht. Die vier Grundprinzipien der Food Coop Magdeburg sind:

natürlich
Wir wollen Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau von Erzeugern, die nach ökologischen Kriterien wirtschaften. Das kommt unserer Gesundheit zugute und der Natur, die durch schonende Landwirtschaft entlastet wird. Da die Food Coop überwiegend große Gebinde bestellt, wird Verpackungsmaterial gespart.

regional
Die Food Coop als Verbraucherinitiative bietet Bauern aus der Region einen Absatzmarkt. Dadurch werden lange Transportwege vermieden. Produkte aus der Umgebung kaufen heisst auch, die eigenen Ernährungsgewohnheiten an den wechselnden Jahreszeiten auszurichten und stets frische Lebensmittel ohne lange Lager- oder Transportfristen zu erwerben.

menschlich
Wir wollen der zunehmenden Entfremdung zwischen LebensmittelerzeugerInnen und VerbraucherInnen entgegenwirken, indem wir direkten Kontakt zu den Bauern pflegen, die uns versorgen. Durch persönliche Bekanntschaften, Besichtigungen der Bauernhöfe u.v.m. wird Vertrauen gefördert und Anonymität überwunden. Auch untereinander lernen sich die Mitglieder der Food Coop mit der Zeit besser kennen. Sie bilden eine soziale Gemeinschaft und die sonst übliche, rein funktionale “Beziehung” zwischen KundInnen und VerkäuferInnen wird vermieden.

preiswert
Durch die Umgehung des Zwischenhandels und der unentgeltlichen Eigenleistung der Mitglieder sind die Waren häufig billiger als vergleichbare Waren im freien Handel.

Immer donnerstags öffnet die Food Coop im ÖZIM, Harsdorfer Straße 49, zwischen 17 und 18:30 Uhr ihre Pforten. Ich werde demnächst wieder öfters dort sein.

Published on October 13th, 2005 at 21:14.
Filed under deutsch, magdeburg

Open Access ist gut für dich

Jüngst gab es auf Deutschlandfunk einen Brennpunkt der Wissenschaft mit dem Titel Informationen für alle (MP3, 6.1 MB, 26′30′’). In diesem Feature werden jene Bestrebungen vorgestellt, freien Zugang (lies: Open Access) zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu ermöglichen, besonders dann, wenn öffentliche Mittel eine Rolle spielen. Inwiefern sich dies auf Wissenschaftler, wissenschaftliche Journale und auf die Wissenschaft im Allgemeinen auswirken kann und tut, diskutiert dieser Beitrag. So können die langwierigen Prozesse des Peer-Reviews wesentlich verkürzt werden, wenn die Journale elektronischer Natur sind. Werden die Journale nun aber von wissenschaftlichen Fachgesellschaften statt von Verlagen verwaltet, gäbe es

„den entscheidenden Vorteil, dass sie eine Alternative zu den steigenden Kosten, Subskriptionskosten für ihre Zeitschriften haben und dass sie halt ein schnelleres, transparenteres Publikationsverfahren haben und einen uneingeschränkten Zugriff auf die Artikel.

Dazu kommt, dass der Autor selber nicht mehr die Rechte an dem Artikel abtreten muss an ein Verlagshaus, sondern die Rechte komplett behält und mit dem Artikel anschließend auch auf seiner Website noch einmal Werbung für sich selber machen kann.“ (Michael Schopen)

Spannend, wie ich finde, nicht zu letzt auch bzgl. der fortschreitenden Ökonomisierung der Wissenschaft und steigenden Relevanz von Drittmitteln in der wissenschaftlichen Sphäre. Im Beitrag wird auch erwähnt, dass freier Zugang zu Publikationen für jene Wissenschaftler essenziell ist, die aufgrund des globalen digital divide benachteiligt sind.

Published on October 13th, 2005 at 15:50.
Filed under finding, deutsch, technology

DLF und D-Radio bauen Podcast-Angebot aus

Im Juli haben sie mit Podcasts noch herumexperimentiert, jetzt scheinen Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur mit ihrem Podcast Angebot durchzustarten. Ganze zehn Podcasts werden nun ständig aktualisiert:

Ipod

  • Kultur am Sonntagmorgen
  • Kritik
  • Büchermarkt
  • Fazit
  • Campus und Karriere
  • Politisches Feuilleton
  • Interviews
  • Forschung, Wissenschaft
  • Wurfsendung
  • Nachrichten
Bild geborgt von Rob Zammarchi

Published on October 13th, 2005 at 11:45.
Filed under deutsch, technology

Die Welt rückt ein wenig zusammen . . .

Österreich jetzt australisch … wenn Steve Jobs für „one more thing“ die Bühnen eben dieser Welt betritt. Dies tut er regelmäszig, um seine alten Jünger bei Laune zu halten und neue dazu zu gewinnen. Auch heute tat er es wieder. Diesmal im California Theatre in San Jose. Das Erhellende ist, dass während dieser Veranstaltungen, die Apple Online Stores nicht zu erreichen sind. Dies hat den Zweck, damit Jung und Alt, Schwarz und Weiß, Frau und Mann gleich nach der Präsentation wie fanatische Pilger sich in den Apple Online Store drängeln, um ganz oben auf die Bestellwartelisten zu kommen. Bis sich die Pforten des Online Stores also öffnen, gibts auf der Internetseite nur einen schlichten aber gelben Notizzettel mit der scheinbar bedeutungsschwangeren Nachricht zu sehen: We’ll be back soon. Was der gemeine, flüchtige Internetnutzer aber übersieht: gleich darunter gibt es in stilisierter Form Anstecker mit den Flaggen aller Länder, deren Märkte offen sind. So offen und frei, dass Österreicher und Australier schon einmal die Flaggen bzw. Übersetzungen, wie glückliche Fuszballspieler nach einem beiderseitig erfolgreichen Spiel — einfach mal vorstellen, ja?! — ihre Trikots, austauschen. Es lebe die österreichisch-australische Freundschaft! Dass Apple dabei ist, Kultur — bislang in Form von Audio, nunmehr auch als Video — in ein immer strengeres Korsett zu zwängen, kann bei solchen herzerwärmenden Szenen einfach nicht die gute Stimmung rauben.

Published on October 12th, 2005 at 20:13.
Filed under deutsch

Using Flickr and Google Maps for Streetart

street art maps When i was with Alex at the Mediterranean Sea and took so many pictures of streetart i always thought, it would be so much cooler to attach spatial information to those pix. Now there is a proof of concept ready in alpha state: street art maps by Michael Oliver. The idea is that all the pictures of a dedicated Flickr group are used while they have two tags:

  • geo:lat=…
  • geo:long=…
Pretty cool, eh? The only thing is that Europe is still not indexed streetwise by Google Maps.

via Wooster Collective: Street Art Maps

Published on October 10th, 2005 at 09:42.
Filed under english, geekery, streetart

Die Lehre vom rechten Maß

Leopold Kohr Ich habe soeben den Mitschnitt der langen Nacht Die Lehre vom rechten Maß über Leopold Kohr zu Ende gehört, den ich von Entes Papa bekommen habe. Lange bevor Slogans wie ‘simplify your life’ und ‘small is beautiful’ Buchdeckel von Bestsellern schmückten, hat ein Österreicher die Kleinheit und Langsamkeit gelobt:

Leopold Kohr, “stille Weise” aus der Salzburger Stille-Nacht-Gemeinde Oberndorf an der Salzach, ist nicht unter die prominentesten, aber unter die wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts einzureihen. Und seine Ideen und Lehren gewinnen von Tag zu Tag an Aktualität und Brisanz. Das Große, das Monumentale, die heute so wirkmächtige Gigantomanie hat er immer skeptisch betrachtet. Er hat den vom heutigen Casino-Kapitalismus geförderte Wachstumsfetischismus schon früh als Gefahr erkannt und die Rückkehr zu kleinen, überschaubaren Einheiten, zum menschlichen, zu rechten Maß propagiert. …. weiter lesen

Und das ist nur der Teaser. Kohr meint, die Einheiten in denen Menschen sich organisieren/begegnen, müssen denkbar klein sein, damit überhaupt ein menschliches Miteinander möglich ist. Ich fand die implizierten Gedanken sehr erhellend. Kaum dachte ich beim Zuhören, dass es da ja recht viele Gemeinsamkeiten zu den spanischen Bauern und Arbeitern gibt, die oftmals wenig intellektuell aber mit ganzem Herzen von unten Selbst-Verwaltung praktiziert haben, wurde auch schon erwähnt, dass Kohr die soziale Revolution Spaniens zwischen 1936-39 besucht hat.

In der langen Nacht wird zuerst die Person Kohr in Verbindung mit seinen Ideen vorgestellt. Abschließend folgt ein ‘Expertengespräch’, wobei die eingeladenen Gäste mit Kohrs Ansichten vertraut und auch größtenteils mit ihm in Übereinstimmung waren. Obwohl die Diskussion also eher ein gegenseitiges Bekräftigen war, sind die Ausführungen dieser Leute schon interessant. Sie setzen seine Ideen unter anderem mit Politik und Verkehr in Beziehung.

So ging es in dieser Runde auch darum, dass in einer Welt, in der es keine Alternativen geben soll, immer wieder Nester des Widerstands existieren, die sich gegenseitig ermutigen und alles andere als hoffnungslos in die Zukunft blicken. Ich sehe das ähnlich und glaube, dass [setze dein Synonym für eine bessere Welt hier ein] möglich ist, wenn die Menschen es nur anpacken. Es wird nicht das Marx’sche Naturgesetz der Revolutionen sein, sondern die Spontanität, der Mut und die Kreativität der Menschen werden diese Veränderungen einleiten. Dass im Moment der Zeitgeist dies nicht unbedingt widerspiegelt, hängt auch wesentlich damit zusammen, dass die Medien diesen maßgeblich bestimmen…

Der Mitschnitt der langen Nacht existiert irgendwo im Netz als eDonkey-Link, mensch muss nur suchen.

Published on October 9th, 2005 at 19:20.
Filed under deutsch, selfrule

Koexistenz auf den Straßen San Franciscos

ride outside of the door zone Die San Francisco Bike Coalition setzt sich in S.F. dafür ein, dass das Fahrrad als eine ernstzunehmende Alternative zum Auto gesehen wird. In den Staaten ist die Akzeptanz von Fahrrädern auf Straßen noch geringer als in Europa/Deutschland, was auch erklärt, warum der Fahrradaktivismus drüben im Moment lebendiger erscheint. Eine der vielen Kampagnen zielt auf eine friedliche Koexistenz zwischen Autofahrern und Radfahrern auf der Straße: Coexist - Encouraging motorists and bicyclists to share the road.

Published on October 9th, 2005 at 12:11.
Filed under deutsch, mobility, urbanlife

Migranten sichtbar spielen

Die spanischen Aktivisten, die auch hinter Yomango stehen, haben an einem Computerspiel gearbeitet, das durch geschickte Bildmontagen die Präsenz von Migranten in den urbanen Raum projiziert. In Bordergames werden in die Szenen Madrids Pressefotos von Immigranten, die versuchen die Grenze zu überwinden oder einfach nicht aufzufallen, in den Mittelpunkt der städtischen Geschehnisse katapuliert.

Via Telepolis: Grenzen der Realität von Krystian Woznicki

Das Spiel soll die Spieler miteinander vernetzen. Was bei diversen Online-Spielen längst selbstverständlich ist, hat hier eine politisch relevante Note: Menschen, die sonst in ihren Einzelschicksalen isoliert sind, können hier zueinander finden, sich austauschen, sich solidarisieren.

Der Artikel erscheint auf Telepolis natürlich im Kontext der aktuellen Geschehnisse in Melilla und Ceuta, allerdings scheint das Spiel nicht mehr ganz aktuell zu sein. Der Wiki ist verwaist (lies: zugespammt) und die Seiten sind seit 2003 nicht mehr aktualisiert worden.

Published on October 8th, 2005 at 13:05.
Filed under finding, deutsch, technology, migration

Bush got mashed up to imagine and walk wildly

Listening to George’s wise words is always a feat. The way Micha has introduced his words to his clicks and beeps is great stuff. Now i have found a mashup or remix that takes his tender voice to sing John Lennon’s Imagine and Lou Reed’s Walk on the Wild Side. Very good. It is already a year old.

Published on October 7th, 2005 at 16:10.
Filed under finding, english, podcast, musique