Heimat Globalia
Ich war heute Abend zu einer Lesung von Mathias Greffrath im Schauspielhaus, vormals Freie Kammerspiele, und habe dort übrigens so manche bekannte Gesichter von Uni und Filmabenden gesehen. Die Veranstaltung war mit diesem Text vom Beipackzettel angekündigt:
Die Lesung war in etwa zweigeteilt: etwas mehr als die erste Hälfte war der Analyse des Zeitgeists gewidmet und anschlieszend folgte der Blick in die Zukunft mittels eines historischen Gleichnisses. So wurde unter anderem Globalia (Jean-Christophe Rufin) vorgestellt, das globalisierte Jetzt oder zumindest Bald, in dem es drei Bereiche/Gruppen gibt:Wir müssen uns der kapitalistischen Globalisierung anpassen – so lautet das Credo der »Reformer«. Die Ehrlicheren unter ihnen geben zu: unser Wohlstand wird dadurch schrumpfen, der Sozialstaat ist ein Auslaufmodell, die goldenen Wachstumsjahre Europas sind vorbei. Aber gibt es wirklich keine Alternativen? Und wie soll der soziale Frieden, ja, wie kann so etwas wie Demokratie gerettet werden, wenn es (fast) allen immer »schlechter« geht? Vielleicht ist es an der Zeit, die Arbeit an den Utopien wieder aufzunehmen. Aber haben wir überhaupt noch die Kraft, unsere Erkenntnisse, Überzeugungen und Wünsche ernst zu nehmen, oder haben wir den kapitalistischen »Realismus« voll verinnerlicht? Die neue »Religiosität« drückt eine Sehnsucht nach anderem Leben aus – und besiegelt die politische Resignation. Wir sind skeptisch geworden gegenüber einem Leben, das nur aus Konsum besteht, und wir wissen, dass unser Lebensstil nicht global tauglich ist, aber alle großen Probleme nur noch global zu lösen sind.
- militärisch gesicherte Burgen der Elite,
- die in gewisser Sicherheit lebende Mittelschicht und
- auszerhalb von Globalia die ‘Barbaren’.
Dass dieser Vergleich ein wenig an die Konzepte von Empire und Multitude Hardts und Negris erinnern mag, hat der Vorlesende eingeräumt, allerdings sehe er die globalisierungskritische Bewegung als eher diffus, unkoordiniert und folglich wenig wirkungsmächtig. Stattdessen plädiert er für ein Handeln auf drei Ebenen:
- eigener Lebensstil (Konsumverzicht)
- regionales Experimentieren (Kollektive)
- staatliches Handeln (Stadt)
Als ein letztes Konzept hat Mathias Greffrath die Solare Revolution eingeführt. Zwar ist die Bezeichnung eher unglückliches Marketingsprech, aber bietet sie doch eine klare Handlungsperspektive. Sie soll darstellen, dass die für die heutige Ökonomie wesentlichen Rohstoffe, auch über die fossilen hinaus, innerhalb dieses Jahrhunderts verbraucht sein werden. Daher mahnt er einen Wandel zu regenerativen Energien an, die die alten, zentralisierten Energiequellen, wie zum Beispiel auch die Atomenergie, ersetzen könnten und sollten. Dabei stehen diese neuen Energien für eine ökonomische Regionalisierung, die wieder ein soziales, kollektives Gewebe bilden könnten. Spannend daran ist, dass die Erdölkrise kommt, also quasi vorprogrammiert ist, aber eben der Wechsel hin zu regionalen Energien von den Menschen gewollt und gemacht werden muss. Die Alternative wäre die zentralisierte Energie aus Atomkraftwerken von Netzmultis.
Die meisten Ideen waren nicht neu, aber es war doch interessant sie so zusammengesetzt zu hören.



December 2nd, 2006 at 2:32 am
[…] iew zwischen Mathias Greffrath und Wolfgang Engler, wobei ersterer aufmerksamen Lesern von Heimat Globalia noch bekannt sein dürfte. Greffrath sieht ein Grundeinkommen eher als […]