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Magdeburger Unfallstatistik 2005

Altersstruktur der bei Unfällen getöteten Personen in Magdeburg Die Polizeidirektion Magdeburg hat nun die ‘Verkehrsunfallbilanz’ 2005 online verfügbar (PDF) gemacht, so dass ein näherer Blick möglich ist. Der Anstieg der allgemeinen Unfallzahlen und besonders mit dem starken Anstieg der bei Unfällen getöteten Personen im letzten Jahr ist beunruhigend.

Im Dezember 2005 wurde daher eine Konzeption zur „Senkung der Verkehrsunfallzahlen und Erhöhung der Verkehrsmoral im Zuständigkeitsbereich der PD Magdeburg“ erarbeitet. Seit Januar 2006 führen die Dienststellen verstärkt dezentrale Verkehrskontrollen durch, ab Februar 2006 werden wöchentlich zentral geführte Kontrollen geplant.

Weiterhin wurden Präventionsmaßnahmen auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten. Eine besondere Rolle spielen die Gruppen der „Fußgänger“, der „Radfahrer“ und der „Senioren“ im Straßenverkehr. Diese Personen sind als Verkehrsteilnehmer besonders oft in Verkehrsunfälle mit schweren Personenschaden verwickelt.

Struktur der schwer verletzten Personen in MagdeburgAber auch die Zahlen für die Unfälle mit Personenschäden +14,67% und schweren Verletzungen +4,55% sind besorgniserregend. Dabei spielt die Risikogruppe Radfahrer bei letzterer Einteilung eine tragische Rolle. Bei Betrachtung der Entwicklung bzgl der Risikogruppen über die vergangenen Jahre

ist insbesondere die starke Zunahme bei den verletzten Radfahrern und den Senioren zu verzeichnen. Dagegen nahm die Anzahl der verletzten Kinder und Fußgänger leicht ab.

Eine Auswertung der Verkehrsunfälle mit Radfahrern ergab, dass diese oftmals aufgrund Eigenverschulden verunglückten. Unfallursachen waren das falsche Verhalten im Straßenverkehr wie das Fahren entgegen der Fahrtrichtung, das Fahren auf dem Gehweg, Unfälle aufgrund Nichtbeherrschen des Rades oder das Fahren bei „roter“ Ampel sowie technische Mängel der Fahrräder.

Hier wird der Eindruck erweckt, als seien die Radfahrer ausschlieszlich mehrheitlich selbst schuld, wenn sie in Unfälle verwickelt werden. Allerdings widerspricht die Statistik dieser Darstellung. Die Polizei nutzt aber diese Aussage, um die Repression gegen Radfahrer zu erhöhen:

Durch die Dienststellen wurden daher die wöchentlichen Fahrradkontrollen auch im Jahr 2005 fortgesetzt. Im Jahr 2006 werden regelmäßige Fahrradkontrollen fester Bestandteil der polizeilichen Arbeit sein. Im Rahmen der Verkehrsprävention sollen auch andere Verkehrsteilnehmer die Perspektive des Radfahrers im Straßenverkehr kennen lernen. Insbesondere soll die gegenseitige Rücksichtnahme im Rahmen der Veranstaltungen vermittelt werden.

Bedauerlicherweise ist die Idee, dass im Straszenverkehr die Teilnehmer miteinander kooperieren sollten, statt zu konkurrieren, hier im letzten Satz vergraben.

Hauptunfallursachen in Magdeburg

Sonderbar erscheint mir die Konsequenz der Mageburger Polizeidirektion, dass sich die Kontrollen nun auf die Fahrradfahrer konzentrieren, wenn doch bei den Hauptunfallursachen ihre ‘Schuld’ rückläufig ist:

Auffällig ist die Tatsache, dass Falsches Verhalten von Radfahrern rückläufig war, dagegen die Unfallursache Falsches Verhalten gegenüber Radfahrern einen Anstieg aufwies.

Interessant sind die aufgeführten ‘Hauptunfallschwerpunkte’ in Magdeburg:

  • 33 Unfälle: E.-Reuter-Allee / O.-v.-Guericke-Straße
  • 26 Unfälle: Jerichower Platz
  • 25 Unfälle: Kölner Platz
  • 18 Unfälle: Kirschweg / Hermann-Hesse-Straße
  • 14 Unfälle: Jakobstraße / Johannisbergstraße
Wenn ich mir den ersten und dritten Punkt anschaue, sehe ich Radwege, die einerseits mangelhaft ausgebaut und andererseits schwach zum Fuszweg abgegrenzt sind. Die Fuszgänger vor dem City-Carré sind zumindest jedes Mal schwer überrascht, wenn ich auf den benutzungspflichtigen Radweg fahre.

Auch nach näherer Betrachtung bleibt meine Konsequenz vom letzten Beitrag bestehen. Die Unfallstatistik ist in dieser Form nicht aussagekräftig genug. Verkehrsunfälle zeichnen sich mehrheitlich dadurch aus, dass mehrere Verkehrsteilnehmer daran beteiligt sind. Interessant wären also mögliche Korrelationen bzgl. fehlerhaften Verhaltens, Typ der involvierten Verkehrsteilnehmer, Orte der Unfälle, usw. – Sätze wie

Eine Auswertung der Verkehrsunfälle mit Radfahrern ergab, dass diese oftmals aufgrund Eigenverschulden verunglückten.

sind dabei nur mäszig brauchbar.

In meinen Augen zieht die Magdeburger Polizei eine unmutige Konsequenz, wenn bzgl. der angestiegenen Unfälle mit Radfahrern hauptsächlich diese unter Beobachtung gestellt werden, wo doch ein Anstieg beim falschen Verhalten gegenüber und nicht von Radfahrern zu verzeichnen ist. Stattdessen würde eine ganzheitliche Betrachtung des Straszenverkehrs nötig sein, die das Miteinander der Verkehrsteilnehmer fördert. Kritische Situationen entstehen zum Beispiel, wenn beim Rechtsabbiegen von motorisierten Verkehrsteilnehmern Radfahrern die Vorfahrt genommen wird. Ein kurzer Schulterblick des Autofahrers könnte Radfahrern das Leben retten.

3 Responses to “Magdeburger Unfallstatistik 2005”

  1. Konrad Says:

    “Hier wird der Eindruck erweckt, als seien die Radfahrer mehrheitlich selbst schuld, wenn sie in Unfälle verwickelt werden. Allerdings widerspricht die Statistik dieser Darstellung.”

    So leid mir das tut: Die Statistik hat recht. 444:426.
    Noch liegen die Radfahrer als Verschulder vorn, auch wenn die Zahlen in unterschiedliche Richtungen wachsen und Repräsalien eher gegen die steigende Zahl der Ignoranten von Radfahrern wünschenswert wären, da geb ich dir recht :-)

  2. Schreibmaschine » Blog Archive » Die Rechte der Radfahrer Says:

    […] Radfahrer anarchitect hatte vor einiger Zeit schon einmal mit zwei Beiträgen [Magdeburger Unfallstatistik 2005] auf die […]

  3. Anarchitect » Schmollende Radfahrer Says:

    […] n, um die Sorgen der Ordnungshüter und Stadtverwalter Magdeburgs nachzuvollziehen.   Wie bereits berichtet, erachtet die Stadtverwaltung die Hauptursache de […]

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