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Interdisziplinäre Studienwerkstatt

Als ich mich jüngst in der ersten Phase der Prüfungsvorbereitungen und somit ständig in der Unibibliothek befand, um mich Konzepten und Sachverhalten zu nähern, die mir innerhalb der Vorlesungen zumeist verborgen blieben, hatte ich diese Idee. Mir wurde allmählich klar, dass in jenem Gebäude und auch anderswo viele Kommilitonen einer ähnlichen Tätigkeit nachgingen. Zumeist waren es Studenten der Wirtschaftswissenschaften, aber auch andere spannende Richtungen der Sozial- oder Naturwissenschaften wurden studiert und eifrig aufgenommen, um sie wenig später reflexhaft wiederzugeben. Eine Kritik jener Praxis von Aufnahme und Wiedergabe ist sicherlich angebracht, aber darum soll es mir hier nicht gehen. Neben versprengten Lerngruppen schienen mir die meisten, mich z.T. eingeschlossen, in jener Phase arg isoliert. Ich dachte mir, dass es doch nett wäre, wenn ich jenen Stoff, welchen ich mir ansatzweise angeeignet habe, in seiner noch unausgereiften Form anderen Mitstreitern mitteilen und so unter den Hinweisen und Fragen der Zuhörer festigen könnte. Jeder weisz, dass mensch Dinge nur richtig verstanden hat, wenn er sie auch in eigene Worte fassen kann. Statt also die ganze Zeit vereinsamt über Vorlesungsnotizen zu hängen, könnte der eigene Lernprozess, durch den Besuch einer solchen interdisziplinären Studienwerkstatt aufgelockert werden. Dies könnte mensch nun als Pausen verstehen. Aber es wäre auch eine Art Graswurzelform des Studium Generale.

Marco hat mir letztens erzählt, dass er an einer Forschungswerkstatt der Soziologie in den Semesterferien teilnimmt, in deren Rahmen die Teilnehmer ihre Studien für Haus- und Magisterarbeiten im Bereich der qualitativen Sozialforschung miteinander diskutieren. Bei jedem Treffen stellt ein Student seine bisherigen Unternehmungen vor und teilt seine Fragestellungen und Probleme mit, so dass – in diesem Fall – Studenten der gleichen Fachrichtung Hilfestellung und potenzielle Kritik aufzeigen können. Solche Formen des selbstgesteuerten aber zugleich gemeinsamen Studierens gibt es leider viel zu wenig. Es gibt hier und dort ein paar Lesegruppen, aber das war es dann auch.

Ich denke es gibt Bedarf für sowohl inter- als auch intradisziplinäre Studienwerkstätten. Sie würden Schritte in Richtung einer freieren Uni sein.

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