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Televisionäre Staatsauflösung

Die Macht der Medien wird bereits sehr breit untersucht und kritisch beäugt. Besonders spannend dabei können Experimente sein, wo der Bevölkerung über Funk- und Fernsehen eine falsche allerdings in dem Moment geglaubte Realität vorgespielt wird. Bekanntes Beispiel ist die Hörspielausstrahlung von Wells’ Krieg der Welten im Jahr 1938, das so manche Zuhörer in den Glauben versetzte, dass Auszerirdische im Begriff wären, die Erde anzugreifen.

Nun, etwas Ähnliches ist Mittwochabend in Belgien passiert. Ein frankophoner, staatlicher Fernsehsender hat über die fiktive Unabhängigkeitserklärung Flanderns und somit das Ende Belgiens berichtet und diese Fiktion für 45 Minuten aufrechtgehalten, bis wohl das Königshaus eingeschritten ist. Ganze 90% der Zuschauer hätten geglaubt, dass dies Realität wäre und sind dementsprechend in Unruhe bis Panik geraten. Krasse Sache das. Ich sag mal, file under Situationistische Intervention, Kommunikationsguerilla.

Während Politiker diese Aktion als unverantwortlich und unpassend kritisieren, zeigt dies doch nur, wie mächtig zentralisierte Medienapparate sein können. Daher: Rundfunk und Medien gehören demokratisiert und dezentralisiert, oder wie es Brecht vor fast 80 Jahren formuliert hat:

Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur zu hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.

Mehr über Demokratie und Dezentralität schrieb ich jüngst in einem englischsprachigen Beitrag über Web Communities.

One Response to “Televisionäre Staatsauflösung”

  1. Holodoc Says:

    Mmh Respekt vor Deiner Meinung, aber imo ein schlechtes Beispiel als Argument dafuer ;)
    Es reicht in dem Fall ja, wenn es mehrere voneinander unabhaengige zentrale Medienanstalten gibt, allerdings sollte es die dann wirklich geben, aber in der Tat scheinen diese immer mehr unter der Flagge grosser Konzerne verschmelzen, ja…

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