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Die Häme der Gazetten und Papageien

Wenn Menschen Ideale proklamieren, begeben sie sich in die gefährliche Position diese zu brechen und sich zu widersprechen. Konsequenter sind dagegen diejenigen, die sich erst gar nicht dazu hinreiszen lassen, Ideale zu formulieren. Die können dann selbstzufrieden darüber schreiben, wie “naiv” und “heuchlerisch” die friedlichen Teile der Bewegung die eigenen Reihen nicht schlieszen können. Komfortabel lässt sich so das breite Spektrum der Globalisierungsbewegung auf zwei Formen, nämlich friedlich Forderungen stellen oder militant kämpfen, reduzieren. Differenziertere Betrachtungen würden wohl zu anstrengend sein und den Leser überfordern. Vor allem müssten die Redakteure womöglich die Redaktionsräume verlassen und mit Menschen vor Ort reden. Sie müssten in die Camps gehen und sehen wie Selbstorganisation aussieht, wie Workshops und Küche gemeinschaftlich organisiert werden. Sie müssten womöglich auf Ideen treffen, von denen sie bislang nichts gehört haben, die sie nicht wüssten einzuordnen. Es würde nicht reichen, einfach die Kamera auf ein brennendes Auto zu halten oder sich darüber zu belustigen, dass auch Protestler bei McDonalds speisen, während ein Groszteil der Rostocker Geschäfte mit Spahnplatten verbarrikadiert ist. Konsequent und schlüssig werden so die Anti-G8-Proteste zum “‘Rock am Ring’ des Ostens” deklassifiziert, wo die Teilnehmer ihre diffuse Wut ablassen. Wenn Spiegel Online zur primären Deutungs- und Interpretationsinstanz wird, würden andere Schlüsse auch wohl kaum möglich sein.

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