Eben in der Diskussionsrunde haben wir noch u.a. über dezentrale und demokratische Strukturen für Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutiert – statt militarisierte wie zum Beispiel in Israel und Palästina – und dabei die besetzten Fabriken Argentiniens als ein Beispiel ins Feld geführt, da lese ich bei Indymedia über die Nordhausener Fahrradfabrik, die aufgrund der angekündigten Schlieszung jetzt seit dem 10. Juli von den Arbeitern besetzt wird.
Das finde ich sowohl schön als auch spannend. Wenn jetzt aus der Besetzung ein selbstverwalteter Betrieb entstehen könnte, wäre meine Utopie keine mehr. Ich meine, ein Fahrrad von einer Fabrik in Selbstverwaltung würde bei meinem nächsten Fahrradkauf gegen jedes tazrad anstinken. Und dass Arbeiter – nicht Arbeiterpartei – ihren Betrieb übernehmen, hatten wir in Deutschland auch schon mal. Und Fahrräder sind ja auf jeden Fall die Zukunft. Zum Beispiel auch die nähere: morgen ist nämlich wieder letzter Freitag im Monat.
Die deutsche Blogosphäre reagiert bislang leider eher verhalten. Auf dem Blog über Selbstverwaltete Betriebe gibt es einen Eintrag, der die Besetzung unterstützt. Dem schliesze ich mich hiermit an und werde auch morgen zur kritischen Masse ein paar Mal den Artikel ausdrucken und verteilen. Bei Schlimmes & Schönes wird die Aktion bewundert und als sozialer Kampf verstanden, im Kontrast zu den Studenten, die auszer Konkurrenzkämpfe kaum für etwas einstehen würden. Auf jeden Fall eine nachvollziehbare Gegenüberstellung. Auf LabourNet gibt es ein Special zu Bike Systems Nordhausen in der Sparte Fahrzeugbau (ohne Auto). In konventionellen Zeitungen steht auch einiges dazu. Ich bin gespannt, wie sich die Sache weiterentwickelt.
Dem Uwe sind Schmetterlinge aufgefallen, die aus Zeitungspapier geschnitten an verschiedenen Stellen in Magdeburg angebracht sind. Sie erinnern mich an die äuszerst charmanten Schablonengraffitis, auf die ich in den ersten Tagen in Santiago gestoszen bin, und an den gänsehauterregenden Song El arado vom hier zuvor erwähnten Víctor Jara, den es in verschiedenen Coverversionen auf YouTube zu hören gibt.
Morgen wird die Fotoausstellung Migranten in Magdeburg im einewelthaus (Schellingstraße 3-4) eröffnet, wo u.a. Fotos von hier bereitserwähnten Künstlern Jens und Kamran dabei sein werden. Die Ausstellung läuft vom 10.7. bis zum 31. August 2007.
Der sympathische Verband junger Medienmacher fjp>media schreibt einen Ideenwettbewerb aus, um sein zukünftiges Äuszeres zu finden. JedeR kann seine visuellen Ideen einsenden und bei entsprechender Platzierung verschiedenes Designerwerkzeug gewinnen.
Published on July 5th, 2007 at 09:39. Filed under deutsch, magdeburg
Two days ago this strangely different version of Clocks was played in Projekt 7 at the FGSE party and i find the corresponding video quite appealing. It addresses some environmental issues and in my eyes shows that talking about climate change is not meant to spread fear but hope. The idea is to spread the will to make a difference where there has been mostly denial and ignorance. But i guess this is just my wishful interpration of the video. The song is part of the remix sampler Rhythms del Mundo.
Ich bin gestern auf obigen Flyer gestoszen, der einen weltweit friedlichen Zufall namens Critical Mass anpreist. Dieser Zufall soll in Magdeburg nun monatlich am letzten Freitag im Monat um 17 Uhr auf der Sternbrücke losgehen. Diesen Freiag wäre es dann wohl soweit. Eine Webseite dazu gibt es auch.
Themen- und Diskussionsabend zu Neuen Medien und Web 2.0 für Partizipation, Friedensbewegung und Konflikttransformation.
Massenmedien spielen spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg eine wesentliche Rolle bei der Rechtfertigung, Vorbereitung und Durchführung von Kriegen. Beispiele dieser Praxis reichen von der gleichgeschalteten Presse der Nazis über Radio- und Fernsehsender beim Völkermord in Ruanda bis zu einer weitgehend unkritischen Berichterstattung in den USA im Vorfeld des letzten Irakkriegs. Insbesondere bei diesem zweiten Irakkrieg hat sich allerdings eine breite Protestbewegung konstituiert, die den Krieg zwar nicht verhindern konnte, aber mittels der Neuen Medien die stärkste globale Mobilisierung der Friedensbewegung seit Vietnam darstellt.
Seitdem haben sich die Neuen Medien zum sogenannten Web 2.0 weiterentwickelt, das in Anwendungen wie Weblogs und Wikis die Prinzipien Partizipation, Demokratie und Dezentralisierung betont. Nutzer generieren zunehmend die Inhalte selbst, sind aber darüber hinaus auch an Entscheidungsprozessen beteiligt. Offene Schnittstellen und Formate erlauben relativ einfache Verknüpfung von verschiedenen Datenquellen zu sogenannten Mashups. Informationen werder immer einfacher von Bürgern erstellt, verknüpft und aufgenommen, so dass neue Formen von Gegenöffentlichkeit möglich werden.
Diese Entwicklung wirft insbesondere vor dem Hintergrund der Relevanz von Medien in Konflikten spannende Fragen für zivilgesellschaftliches Engagement, Friedensbewegung und Konflikttransformation auf, die wir an dem Themenabend mit Teilnehmern diskutieren möchten. Folgende Referenten haben sich bereit erklärt mit einführenden Vorträgen die Grundlage einer offenen Diskussion zu bereiten:
Kamran Ali, der wie zuvor erwähnt Magdeburger sieht, zeigt nun einige seiner Fotos im Rahmen seiner Fotoausstellung “Vertraute Fremde” einer breiteren Öffentlichkeit. Diese wird am morgigen Donnerstag (21. Juni, 22 Uhr) zur Pakistanischen Nacht in der Hofgalerie Moritzhof eröffnet und bistimmt auch Gelegenheit bieten, dem begnadeten Fotographen ein Lob auszusprechen. Wobei er dann schüchtern lächeln wird, und so tut, also ob das nix wäre. Ich bin jedenfalls sehr von seinen Fotos beeindruckt, und werde mir sie mal ausgedruckt anschauen. Ich durfte letztens einen Blick auf ein paar Fotos werfen und kann verraten, dass sie ausgedruckt noch viel besser wirken.
Update: Kamran hat die Auswahl der ausgestellten Fotos bekanntgegeben.
Letztens war ich auf einer Infoveranstaltung zur marxschen Kritik des Kapitalismus und einer all zu reaktionären Kritik der da oben bzw denen da in den USA und inwiefern mensch dann ganz schnell antisemitisch ist und so. Während ich mit antideutschen Thesen noch nicht so in Berührung kam, war das wohl auch ein antideutscher Ansatz, hat mich aber auch ein wenig an Wertkritik erinnert, was wohl gar nicht so weit auseinanderliegen soll.
Abgesehen davon, dass ich eine etwas differenziertere Kritik der Zustände begrüsze und im übrigen auch teile, fand ich einige Äuszerungen zum globalisierungskritischen Protest und seiner Bewegung vom Referenten arg diskretisierend und gar nicht mehr so differenziert. Zum Schluss ging es – mir zumindest – um Praxis und inwiefern, dann nu’ die neue Gesellschaft zu machen ist, wenn wir alle verstanden haben, dass das Kapital ein Selbstläufer ist und nicht Herr Ackermann. Denn bei all der differenzierten Theorie – die an dem Abend zum Teil eben auch recht polemisch ausfiel – fehlte mir doch der Bezug zum Tun. Darauf hin wurde sinngemäsz gesagt, dass die Linke ein wenig vom Praxisfetisch weg müsse und erstmal das richtige Bewusstein haben sollte… und Kritik kann mensch ja auch als Praxis verstehen.
Ich nehme an, dass die Abwertung der Praxis aufgrund schlechter Erfahrungen in gewissen aktionistischen Kontexten herrührt. Aber jenseits von Antifa-Demos, Sitzblockaden und Gipfelprotesten gibt es auch andere widerständige Praxen; ich würde so was wie Umsonstläden, freie Kollektive und Kooperativen, Creative Commons, Open Source Software und auch Wikis auf jeden Fall dazu zählen und das ganz und gar nicht als irreführenden Praxisfetisch verstehen. Auf keimform.de zum Beispiel gibt es zu diesem Themenkomplex jede Menge interessante Diskussion und Meldungen.
Fast vergessen: warum ich jetzt doch noch darüber gebloggt habe, ist aufgrund dieser zwei Zeilen in einem Stück (mp3) von Eszella Garni gefunden bei den popnutten:
In der Theorie wird die Praxis wunderbar.
In der Praxis ist die Theorie ein Wonderbra!
Wie ich dem Antikriegsblog just entnommen habe, findet am Donnerstag ein offener Auswertungsabend zum G8-Gipfel und globalisierungskritischen Protest statt:
Der G8-Gipfel ist vorbei und auch die letzten Globalisierungskritiker haben Camps und Convergence Center hinter sich gelassen. Wir möchten die Phase der Aufbereitung mit einem offenen Auswertungsabend am kommenden Donnerstag beginnen und mitgenommene Eindrücke austauschen, Erlebtes reflektieren und daraus Visionen für friedens- und umweltbewegtes und globalisierungskritisches Handeln entwickeln. Dazu laden wir alle ein, die letzte Woche vor Ort in/bei Rostock waren bzw die Ereignisse verfolgt haben.