Letztens war ich auf einer Infoveranstaltung zur marxschen Kritik des Kapitalismus und einer all zu reaktionären Kritik der da oben bzw denen da in den USA und inwiefern mensch dann ganz schnell antisemitisch ist und so. Während ich mit antideutschen Thesen noch nicht so in Berührung kam, war das wohl auch ein antideutscher Ansatz, hat mich aber auch ein wenig an Wertkritik erinnert, was wohl gar nicht so weit auseinanderliegen soll.
Abgesehen davon, dass ich eine etwas differenziertere Kritik der Zustände begrüsze und im übrigen auch teile, fand ich einige Äuszerungen zum globalisierungskritischen Protest und seiner Bewegung vom Referenten arg diskretisierend und gar nicht mehr so differenziert. Zum Schluss ging es – mir zumindest – um Praxis und inwiefern, dann nu’ die neue Gesellschaft zu machen ist, wenn wir alle verstanden haben, dass das Kapital ein Selbstläufer ist und nicht Herr Ackermann. Denn bei all der differenzierten Theorie – die an dem Abend zum Teil eben auch recht polemisch ausfiel – fehlte mir doch der Bezug zum Tun. Darauf hin wurde sinngemäsz gesagt, dass die Linke ein wenig vom Praxisfetisch weg müsse und erstmal das richtige Bewusstein haben sollte… und Kritik kann mensch ja auch als Praxis verstehen.
Ich nehme an, dass die Abwertung der Praxis aufgrund schlechter Erfahrungen in gewissen aktionistischen Kontexten herrührt. Aber jenseits von Antifa-Demos, Sitzblockaden und Gipfelprotesten gibt es auch andere widerständige Praxen; ich würde so was wie Umsonstläden, freie Kollektive und Kooperativen, Creative Commons, Open Source Software und auch Wikis auf jeden Fall dazu zählen und das ganz und gar nicht als irreführenden Praxisfetisch verstehen. Auf keimform.de zum Beispiel gibt es zu diesem Themenkomplex jede Menge interessante Diskussion und Meldungen.
Fast vergessen: warum ich jetzt doch noch darüber gebloggt habe, ist aufgrund dieser zwei Zeilen in einem Stück (mp3) von Eszella Garni gefunden bei den popnutten:
In der Theorie wird die Praxis wunderbar.
In der Praxis ist die Theorie ein Wonderbra!